Mit einem Paukenschlag hat Apple heute im Rahmen der Keynote zur WWDC die Messlatte für Tablet-PCs ein gutes Stück höher gelegt bzw. endlich mit der Konkurrenz aufgeschlossen. Die neue Softwareversion wird im Herbst erscheinen.

Notifications

Es hat lange gedauert, bis man in Cupertino den Schuss gehört hat. Aber mittlerweile ist auch dort die Erkenntnis angekommen, dass das derzeitige modale Push-System nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Mit iOS 5 wird es daher neue, unaufdringlichere Benachrichtigungen geben und ein Notification-Center, das alle Arten von Benachrichtigungen, seien es verpasste Anrufe, SMS-Nachrichten oder Push-Benachrichtigungen, unter einem gemeinsamen Dach vereint.

Notification-Center


Dezente Benachrichtigung

Newsstand

Als konsequente Weiterentwicklung des vor kurzem eingeführten Abosystems kann man Newsstand sehen. Das Zeitschriftenregal erscheint wie ein Ordner auf dem Homescreen und öffnet die aus iBooks bekannte Holzoptik mit den abonnierten Magazinen und Zeitungen. Neue Ausgaben werden automatisch im Hintergrund heruntergeladen und stehen offline zur Verfügung.

Newsstand

Twitterintegration

Vorher schon durch die Gerüchteküche gegangen wollte eigentlich niemand so recht dran glauben, dass sich Apple mit einem Drittanbieter auf eine derartig tief im System verwurzelte Integration einlässt. Jetzt ist es also doch passiert, die Hölle ist ein weiteres mal zugefroren, Twitter hält Einzug in zahlreiche iOS-Apps wie Kamera, YouTube, Maps oder Kontakte. Außerdem können Entwickler das ganze auch in ihre Apps integrieren. Und neben der Integration in iOS 5 wird es das ganze auch für iPhone, iPad und iPod touch geben, wie Twitter stolz verkündet. Interessant an diesem Schachzug ist auch, dass man diesen Deal nicht mit dem wesentlich größeren Facebook eingeht.

Systemweite Twitter-Integration


Nicht nur für iOS 5, sondern auch für's iPad...

Reminders

Ins System integrierte Erinnerungen sind ein weiteres neues Feature von iOS 5. Man kann beliebige Listen anlegen und mit Fälligkeitsterminen und Orten versehen.

Safari

Dass die Symbiose von iOS und OS X auch in die umgekehrte Richtung geht zeigt Safari gleich an zwei Stellen. So bekommt der mobile Browser endlich vernünftige Tabs und die aus der Desktop-Software bekannte Reader-Funktionalität spendiert, die sogar auf mehrere Seiten aufgeteilte Artikel zu einem einzigen zusammenfassen und in ein gut lesbares Format umformatieren kann. Darüber hinaus kann man Texte zum späteren Lesen speichern.

Tabs in Safari


Merkliste zum später lesen

Kamera

Camera+ ist dafür vor kurzem noch aus dem App-Store gefolgen, ab sofort kann man mit der eingebauten iPhone-Kamera-App die Lautstärketaste als Auslöser benutzen.

Mail

Das Mailprogramm auf iOS hat ebenfalls diverse Erweiterungen erfahren. Auf manche kann man getrost verzichten, wie die Möglichkeit, Nachrichten im Rich-Text-Format zu verfassen, andere sind überaus willkommen, wie die Suche im gesamten Nachrichtentext, die einfachere Eingabe von CC- und BCC-Empfängern (inkl. Drag&Drop) und die Unterstützung von S/MIME zur Verschlüsselung. Ob sich die teilbare und damit angeblich für beide Daumen einfacher zu benutzende Tastatur durchsetzt muss sich erst noch zeigen.

Teilbare Tastatur

Game Center

Diejenigen, die das iPad (auch) als großartiges Spiele-Device sehen werden sich über die ein oder andere Neuerung im Game Center sicherlich freuen. So kann man jetzt direkt aus der App Freunde und Spiele erkunden, sehen, was die Freunde von Freunden so spielen und bekommt direkte Unterstützung für rundenbasierte Spiele, etwa Carcassonne oder Die Siedler.

iMessage

SMS für alle. Auf iPhone, iPad und iPod touch. Und alle Nachrichten syncen sich auf alle Geräte, so dass man eine auf dem iPhone begonnene Konversation problemlos auf dem iPad fortsetzen kann. Wer nicht bis Herbst warten will kann das heute schon mit WhatsApp haben.

Got steve’d?

Nicht nur hier sieht man, dass sich Apple Anleihen bei erfolgreichen Programmen holt und diese direkt in das OS oder die mitgelieferten Apps integriert. Was früher schon auf dem Mac üblich war hält also jetzt auch in iOS Einzug. Den an machen Stellen schon zu hörenden Abgesang auf alternative Twitter-Apps, Einkaufslisten a la Groceries oder Diensten wie Instapaper sollte man aber nicht zu früh anstimmen. Nur weil es Apple macht heißt es nicht, dass es zwanghaft ein Erfolg werden muss. Oder erinnert sich noch jemand an Ping?

PC free

Eines der besten Features haben wir uns für den Schluss aufgehoben. Schon mal für ein iPad in die Schweiz gefahren, um dann auf dem Rückweg stundenlang die Meldung anzustarren, dass das gute Stück bitte mit iTunes verbunden werden möchte? Die Zeiten sind vorbei, Apple schneidet das Kabel ab. Einfach anschalten und loslegen. Das wurde auch wirklich Zeit. Selbst Softwareupdate kommen ‚over the air‘ und, anders als bislang, als Delta-Updates, man bekommt also wirklich nur geliefert, was sich auch geändert hat.

Apple schneidet das Kabel ab

Darüber hinaus hat Apple mit iCloud den Nachfolger von MobileMe angekündigt, der zukünftig Musik, Photos, Daten und Backups in der Wolke speichern soll und sich um den Sync unter den Geräten kümmert. Derzeit ist der komplette Dienst in der Beta-Phase und nur für die USA verfügbar, aber im Gesamtpaket läutet man von Kalifornien aus damit endgültig die Post-PC-Ära ein.

Post PC

Fazit

Das wird ein heißer Herbst. Sowohl iOS 5 als auch, und dann hoffentlich auch in Deutschland, iCloud sollen nach dem Sommer erscheinen und könnten sich, einmal mehr, als Gamechanger erweisen. Man darf gespannt sein. Verfügbar ist iOS 5 für alle Devices, die derzeit auch unterstützt werden, darunter das iPhone 3GS und das iPad erster Generation.

Bilder: Engadget

iPad-Apps in diesem Beitrag

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