Unbestritten – hätte Steve Jobs an seiner ursprünglichen Idee festgehalten, nur Web-Apps für das iPhone zuzulassen, die Plattform wäre heute nicht da, wo sie ist und wahrscheinlich gäbe es auch kein iPad. Einen Großteil der Attraktivität des iPads und des iPhones machen nun einmal die nativen Apps aus, die in HTML, CSS und Javascript schlicht und ergreifend nicht realisierbar wären. Navigationssoftware ist dafür das vielleicht beste Beispiel.

So langsam wäre es aber an der Zeit für eine Rückbesinnung.

Wer am Samstag Abend nicht live das Wunder von Oslo mitverfolgt hat konnte beispielsweise bis spät in der Nacht den Mainzer Museen einen Besuch abstatten. Speziell zu diesem Anlass hat netz98 eine eigene App herausgebracht. Es geht hier gar nicht darum, das lobenswerte Engagement von netz98 für die Mainzer Museumsnacht zu schmälern, aber dennoch muss die Frage erlaubt sein: Muss das wirklich sein?
Die App bietet ein paar wenige Informationen zu den beteiligten Museen und darüber hinaus die Möglichkeit, seinen Abend in Form einer Tour zu planen. Die schönste geplante Tour hilft einem aber ohne Internet nichts, denn dann kann die Googlekarte nicht geladen werden und man sieht nur ein paar rote Nadeln im Nirgendwo. Warum also bringt man das ganze nicht gleich rein browserbasiert heraus?

Ein ähnliches Bild zeichnet sich derzeit bei den erscheinenden Magazin-Apps für das iPad ab, die als Heilsbringer der Branche ihre Schatten ja schon lange vorausgeworfen haben. Die App, die sich beispielsweise mit der Bezeichnung FOCUS auf dem iPad breit macht ist ohne Internetanbindung nicht zu nutzen. Im Prinzip ist das ganze ein Safari mit FOCUS-Branding. Mehrwert: Nicht vorhanden. Warum man die App laden sollte statt direkt die Focus-Seite im Browser aufzurufen ist nicht vermittelbar. Und warum man sich freiwillig alle Nachteile, die der App Store nun einmal so mit sich bringt, ans Bein bindet, weiß man wohl nur in München.

Etwas anders verhält es sich bei der Spiegel-App. Wobei es hier gar nicht darum gehen soll, die Optik abzuwatschen (das hat das Fontblog bereits getan) oder die Preispolitik zu kritisieren (das hat Gerrit van Aaken bereits erledigt). Hier ist der Gang über und durch den App-Store zu rechtfertigen, weil nur dadurch die Möglichkeit besteht, Apples Micropaymentsystem, das sich In-App-Purchases nennt, zu nutzen. Die Umsetzung ist aber so mangelhaft, dass man sich fragen muss, was der Sinn dahinter sein soll, muss man sich doch zunächst einen spiegel.de-Account zulegen, bevor man dann über den App-Store eine Ausgabe kaufen kann.

Es scheint fast so, als müsste man aktuell im App Store vertreten sein, wenn man noch ernst genommen werden will.
Und dann landen dort eben auch Produkte, die man als rein browserbasierte Lösung (vermutlich) schneller und vor allem aber für weit mehr Plattformen hätte umsetzen können.
Oder die mit der heißen Nadel gestrickt wurden. So glänzt die ansonsten eigentlich sehr schön gemachte WELT HD-App durch eine offensichtlich auf dem Zufallsprinzip basierende Absatzverteilung. Und am Ende ist auch sie nichts anderes als ein Webbrowser.

Statt also mit aller Gewalt Apps in den App Store zu drücken sollte man sich vielleicht einfach einmal drauf konzentrieren, Webinhalte ordentlich aufzubereiten. Denn davon hat man mehr als sich den Bildschirm mit Programm-Icons zupflastern zu müssen, die nur einen dedizierten Job machen und den mitunter auch noch schlecht.

iPad-Apps in diesem Beitrag

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