Vor vier Jahren war WM in Deutschland. Eine am tatsächlichen Bedarf vorbei operierende Werbemaschinerie meinte damals, uns das Fußballschauen auf dem Handy schmackhaft machen zu wollen. DVB-H kam – und floppte. Keine wirkliche Überraschung. Wer will schon auf einem 1″ großen Display Pixelmatsch bewundern und dafür am Ende vielleicht sogar noch Geld ausgeben?

Vier Jahre später: Die Technik hat sich grundlegend verändert. Apple hat Smartphones hoffähig gemacht, die eigentlich aus nichts anderem mehr bestehen als einem Display. Und zu allem Überfluß noch kurz vor der WM mit dem iPad ein Gerät vorgestellt, auf dem Video schauen wirklich Spaß macht. Die Technik ist also so weit. Dafür schmollen jetzt die Anbieter. Oder haben etwas nicht verstanden. Oder beides.

Beispiel Sky. Die App hat nicht nur, wie Timo Hetzel treffend bemerkt, das schlechteste Icon aller im App Store vorhandenen Apps. Sie hat auch das schlechteste Verkaufskonzept. Man braucht nämlich ein Sky-Abo. Sky Sport kostet mal eben 32,90 € im Monat. Ohne HD. Und man bindet sich den PayTV-Sender dann gleich zwölf Monate ans Bein. Für ein bisschen WM schauen ein teurer Spaß. Warum kann man nicht für kleines Geld, beispielsweise 20 €, nur die Fußball-WM kaufen kann bleibt ein Geheimnis. Anstatt also die Chance zu nutzen, diese WM-Zuschauer auf das Angebot von Sky aufmerksam zu machen und sie so vielleicht in zahlende Abonnenten zu verwandeln, verspielt man das ganze leichtfertig.

Beispiel T-Mobile. Oder Telekom. Oder wie sie gerade heißen mögen. Die haben ja mit MobileTV eine Lösung für das iPhone im Angebot und dort kann man das machen, was bei Sky nicht geht: Für 4,95 € bekommt man die Fußball-WM im Monatsabo. Und das endet automatisch am 31. Juli. Nur: Auf dem iPhone schauen ist nichts für mal nebenbei. Dazu ist das Display zu klein. Für das iPad rät der MultiMediaService daher:

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MobileTV auf dem iPad? Da macht die Telekom nicht mit.

Soviel zur Theorie. Die Praxis sieht anders aus. Zwar lässt sich MobileTV auch auf dem iPad installieren, aber nach dem Start wird noch einmal überprüft, ob es sich um ein iPhone 3G oder 3GS handelt. Für alle anderen gibt es statt bewegter Fußballbilder nur ein schnödes Popup.
Weiterer Pferdefuß: Man kommt nur in den Genuss, wenn man sich im UMTS-Netz befindet. Alles darunter scheidet wegen der zu geringen Bandbreite aus und WLAN auch, aus lizenzrechtlichen Gründen, wie es in der Beschreibung der App heißt.

Beispiel Fernsehsender. Alle drei deutschen Sender, die Übertragungsrechte für die WM ergattert haben, bieten Livestreams an. Einzig das ZDF wäre aber hier hervorzuheben, die anderen beiden haben nämlich nur Flash-Streams im Angebot, die auf iPhone und iPad aus bekannten Gründen nicht laufen. Aber warum der Quickteam-Stream vom ZDF auf dem iPad nicht läuft weiß man wohl nur am Lerchenberg. Mehr als ein durchgestrichener Play-Button ist dem Tablet jedenfalls nicht zu entlocken.

Ein Steilvorlage für alle, die den fehlenden Flashsupport als einen der größten Mängel des Gerätes ansehen. Aber es scheitert nicht an der Technik, es scheitert am Willen und Können der Anbieter. Denn blickt man über die Grenze, so stellt man fest, dass sehr wohl Live-Übertragungen auf dem iPad in ansprechender Qualität möglich sind: BlickTV und Zattoo HD sind nur zwei Apps im schweizer App Store, die Live-Streams (auch) von (deutschen) Fernsehprogrammen bieten.

Für den deutschen WM-Fan bleibt nur, auf Eigenbaulösungen zu setzen, die aber alle zusätzliche Hardware erfordern. Und zumindest beim HTTP-Streaming von EyeTV auf das iPad ist die Qualität alles andere als berauschend. Dass das auch wesentlich besser geht zeigt die Sky-App, die ebenfalls einen HTTP-Stream nutzt.

Was bleibt ist die Frage, warum es in Deutschland nicht gelingt, Angebote wie BlickTV oder Zattoo auf die Beine zu stellen. Am Beispiel Schweiz sieht man ja, das es geht!

iPad-Apps in diesem Beitrag

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